Millisekunden
Mit so Menschen Umgang gehabt. Nach einer Weile sagt die eine: „We think you look a lot like Mickey Rourke.“ Und dann sag ich: „Like the young Mickey Rourke I hope.”
Und die Pause bis zur bejahenden Antwort war für meinen Geschmack einfach zu lang.

Ich. (Bildquelle.)
Und die Pause bis zur bejahenden Antwort war für meinen Geschmack einfach zu lang.

Ich. (Bildquelle.)
Mit freundlichen Grüßen

“Wir haben eine Nachricht vom Kommandozentrum für dich. Soll ich durchstellen oder kommst du hoch?” Keiko überlegte kurz, entschied sich dann, auf die Brücke zu gehen, so konnte sie auf dem Weg noch einen Abstecher in die Küche machen. “Ja, ich komm vorbei, 40 Minuten, ich mach noch die Beschriftungen fertig.”
In routinierten Kreisbewegungen führte sie den Scanner über die Container mit den Bakterienkulturen und übertrug die Ergebnisse mit einem Tastendruck auf die Datenblätter. Vor drei Wochen erst war sie aus dem Cryoschlaf geweckt worden. Seitdem hatte sie den Zustand der Kulturen komplett erfasst und die Umweltbedingungen den jeweiligen Bedürfnissen ihrer einzelligen Schützlinge angepasst. Durch die computergestütze Versorgung in den Monaten davor war der Schwund an Bakterien zwar minimal gewesen, um aber die nötige Menge an verwertbaren Kulturen für die gesamte Reise zu bekommen, waren menschliche Eingriffe ab einem bestimmten Punkt einfach unverzichtbar. Die wichtigsten Kulturen hatten sich inzwischen um das hundert- bis tausendfache vermehrt. Keiko konnte sehr zufrieden sein.
Der Weg durch das Schiff führte durch verwinkelte Gänge, die leicht ansteigend in Richtung Brücke führten. Sie hätte auch den Aufzug nehmen können, der Umweg über die Küche wäre jedoch mit mehrmaligem Umsteigen verbunden gewesen. Außerdem hatte sie in früheren Flügen gelernt, dass eine gute Idee war, möglichst weite Strecken zu Fuß zurück zu legen, so blieben die Beine kräftiger als nur durch die abendliche Pflichtrunde im Fitnessbereich. Allerdings hatte sie in den letzten Tagen das Gefühl, nicht ganz auf der Höhe zu sein. Sie kam bei ihren Spaziergängen recht leicht ins Schwitzen, das Atmen schien ihr auch schwerer als sonst zu fallen.
Fenster gab es nirgendwo auf dem Weg durch das Schiff und das war Keiko auch ganz lieb. Grad die langen Flüge wurden zwar deutlich erträglicher durch den Cryoschlaf, die verbleibenden wachen Monate, die teilweise wochenlang durch Abschnitte führten in denen dort draußen absolut nichts zu sehen war, konnten sehr depressiv machen. Die totale Schwärze die durch die Fenster hereinstarrte wurde auch mit den Tabletten nicht erträglicher. Eine hellgraue Wand konnte weitaus freundlicher als so ein schwarzes Loch von Fenster sein.
In der Küche lungerten ein paar Sicherheitsleute herum, die schweigend das aßen, was Keikos Bakterienkulturen an kohlenhydrathaltigen Lebensmittelsimulationen produzierten. Immerhin, jemand hatte frischen Kaffee aufgesetzt und ihre Tasse war auch da, oft genug war sie tagelang verschwunden, weil irgendjemand gedankenlos danach gegriffen hatte, sie dann mit an den Arbeitsplatz oder in die Kajüte genommen hatte und dann vergaß, sie wieder zurückzustellen. “Sexy Virus” stand auf der Tasse, sie war ein Geschenk von ihren Eltern zum Graduiertenkolleg gewesen.
Zur Brücke waren es von hier nur ein paar Schritte. Igor, der Navigator stand im Gang und schaute gedankenverloren auf die Anzeige mit den Flugberechnungen. “Hey Keiko.” “Hey. Sind wir auf Kurs?” “Nicht ganz, es gab ein paar automatische Kurskorrekturen, aber das passt schon. Ich muss nur mit den Treibstoffleuten reden. Wir brauchen eine 3-prozentige Erhöhung der Zuteilung.” Drei Prozent waren ungewöhnlich viel. Keiko wusste, dass die Firma zwar genügend Reserve tanken ließ, aber bei Langstreckenprojekten Abweichungen von mehr als einem Prozent lieber vermied und gerne die Verantwortlichen vor die Tür setzte. “Naja, egal. Martha müsste übermorgen geweckt werden, dann machen wir die Berechnung und holen die Genehmigung. Hast du auch eine Nachricht aus der Kommandozentrale?” Keiko nickte. “Na, dann lass uns mal reingehen, der Deutsche hat Dienst.” Beide rollten mit den Augen. “Hast du auch Atemprobleme?”, fragte Igor. Sie nickte und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Auf der Brücke war nur der erste Offizier, der sonst in lauter und aufdringlicher Geschäftigkeit jeden Raum in Sekunden in einen kleinen Kasernenhof verwandeln konnte, jetzt aber schweigend auf dem Kommandosessel saß und ratlos auf die beiden Eintretenden schaute. “Ihr seid schon Nummer 8 und 9”, sagte er. “Aber sehts euch erst mal an. Igor Com2 und du Com3.” Die beiden nahmen vor den Bildschirmen Platz und setzten die Kopfhörer auf.
Nach kurzem Rauschen erschien das vertraute Logo der Firma, dann die Adressierung. Keiko gab ihren persönlichen Empfangscode ein. Einer dieser Buchhaltertypen, mit Augen so abweisend wie Raumschifffenster erschien auf dem Bildschirm und laß mit monotoner Stimme ab: “Sehr geehrte Frau Kenshi. Bei Prüfung unserer Unterlagen haben wir festgestellt, dass ihr Vertrag mit uns auf 30 Monate befristet war. Den Cryoschlaf von 42 Monaten auf der Reise in den Quadranten VII einrechnend, ist der Vertrag seit 12 Monaten und 2 Wochen bei voraussichtlichem Erhalt dieser Nachricht abgelaufen. Direkt nach Kenntnis von ihrer Weiterbeschäftigung nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Frist erklären wir das Vertragsverhältnis hiermit wie vorgesehen für beendet. Wir gestatten Ihnen, ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht, die Weiterreise mit dem Schiff XTK-1274 bis zum Ziel. Die Rechnung für Energieverbrauch, Unterkunft und Verpflegung wird Ihnen zum Tageskurs bei Ankunft zugestellt. Mit freundlichen Grüßen.”
Keiko nahm die Kopfhörer gleichzeitig mit Igor ab, beiden schauten erst sich und dann den Deutschen an. Der zuckte nur mit den Schultern. “Ich habe keine Ahnung, was das soll. Es muss zwischendurch irgendeine Gesetzesänderung gegeben haben, die festhält, dass der Cryoschlaf auf die Arbeitszeit angerechnet wird. Ich versuche das noch rauszufinden, aber wir sind mehr als eine Woche Laufzeit vom nächsten Kommunikationsrelais entfernt, das kann dauern.”
“Und die Alte?”, fragte Igor, “Was sagt sie dazu?” Der Deutsche klickte den Cryo-Plan auf den Bildschirm. “Ich darf sie erst in vier Wochen wecken. Bis dahin bleibt es erst mal dabei, dass ihr draußen seid. Meine Anweisungen sind da recht eindeutig - und solange ich keine andere bekomme...”, er deutete in eine unbestimmte Ferne.
Keiko spürte ihren Herzschlag sehr deutlich: “Hör mal, ich bin die einzige Mikrobiologin an Bord, Igor ist der einzige Navigator. Wie stellst du dir das denn vor? Draußen? Was wollt ihr denn essen, und vor allem, wo wollt ihr denn ankommen?” “Keine Ahnung, aber meine Anweisungen sind da sehr klar. Ich darf euch nicht weiter beschäftigen, weil die Firma mich sonst dafür verantwortlich macht, dass eure Verträge entfristet werden. Glaubst du, mir macht das Spaß? Die halbe wissenschaftliche Abteilung ist schon wieder in den Cryoschlaf versetzt, inklusive des Biosphärenteams.”
“Das Biosphärenteam? Seid ihr völlig bekloppt? Wer genau kümmert sich grade dann um die Luftzusammensetzung im Schiff?” Igor hyperventilierte. “Seit wann sind die schon weggeschlossen?” “Vier Tage.”, sagte der Deutsche knapp. Jetzt wusste Keiko auch, woher die Atemprobleme kamen. Sie schüttelte nur den Kopf. “Igor, komm mit. Wir gehen wieder an unsere Arbeit, aber vorher holen wir die Bios aus den Schlafcontainern. Und du,”, sie schaute den Deutschen streng an, “Du weckst die Alte. So geht's doch nicht. Nichts zu essen, keine Ahnung wohin und nebenbei bleibt uns die Luft weg. Mann!”
Als sie sich umdrehte, standen bereits mehrere Sicherheitsleute im Raum und griffen die beiden ohne große Umstände. Igor lag im Bruchteil einer Sekunde am Boden und war beinahe genauso schnell gefesselt und geknebelt, aber das sah Keiko nur noch neblig, einer hatte ihr die Brille vom Gesicht geschlagen. Sie selber spürte den schmerzhaften Zug der Handschellen. Sie wurde in den nächsten Fahrstuhl gezerrt, und fand sich wenige Minuten später in ihrem Cryotank wieder. Die Tür schloss sich, und das letzte was sie durch das Kontrollfenster sah, war das hochrote Gesicht des Sicherheitsmannes. “Wenigstens wirst du Idiot dich bald in Halluzinationen und Erstickungsanfällen winden.”, sagte sie. Aber das konnte der Mann nicht hören.
Mit einem kräftigen Hustenanfall wandte er sich seinen Kollegen zu. “Die denken auch, sie können sich alles erlauben.”, er lachte. “Hast du noch Handschellen? Gut. Ganze Abteilung kehrt und ab in die Technik, die Maschinisten bekommen gleich ihre Kommunikation von der Zentrale.”
Gegen die Abschaffung der Wehrpflicht

Weltkarte der Wehrpflicht (rot-Wehrpflicht, blau-keine), Quelle: Wikipedia
In wenigen Tagen findet in Österreich eine Volksbefragung zur Abschaffung der Wehrpflicht statt. Ich würde dagegen stimmen. Schon die Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland verursachte mir einiges Unbehagen.
Die Armee ist natürlich kein Spaß. Es beginnt mit der demütigenden Prozedur der medizinischen Musterung, deren ironischer Widerhall einige Jahrzehnte später wohl die Pflegeeinstufung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen darstellt - in beiden Fällen möchten die Probanden möglichst schlecht abschneiden.
Junge Menschen, (ob bewusst oder nicht) zumeist noch auf der Suche nach Halt und Orientierung im Leben, werden in ein Zwangssystem geworfen, dass sie nicht schult, den Verstand zu benutzen und eigene Entscheidungen zu treffen, sondern ihnen im Gegenteil klare Regeln, Befehlsketten und autoritäre Führungsfiguren vorsetzt.
Die Macht dieses Zwangssystems reicht bis in die Muskeln und Knochen. An Wochenenden zum Beispiel lässt sich das gut auf Bahnhöfen beobachten. Selbst ohne Uniform und mit zivilem Gepäck sind Soldaten leicht auszumachen, sehr oft stehen sie mit unnatürlich aufrechtem Torso, leicht auseinander gesetzten parallel stehenden Füßen und hinter dem Rücken verschränkten Händen an der Bahnsteigkante - mind the gap - die entspannte Haltung nach dem Rührt-euch-Kommando. Doch nicht nur das Muskelgedächtnis, auch der Kopf verlässt kaum die Kaserne beim Ausgang, die Sprache wird vermeintlich klarer, kürzer, abgehackter - das Denken folgt zügig hinab.
Diese Zurichtung des jungen Körpers und Geistes findet auch statt in den “demokratisierten” modernen Streitkräften in der westlichen Welt. Auch wenn dort vielleicht nicht mehr die Toiletten mit der Zahnbürste geputzt werden, die Uniform ist mehr als der Stoff, den man sich ggf. vom Leibe reißen kann.
So weit, so bekannt.
Unter diesen Umständen ist es natürlich jedem einzelnen Menschen zu gönnen, dem Zwangsdienst zu entkommen. Sei es durch Ausmusterung, Zivildienst oder gleich die Abschaffung der Wehrpflicht. Niemand soll es hinnehmen müssen, wertvolle Lebenszeit mit ABC-Schutzübungen zu verbringen. Bereist lieber die Welt in Chucks, statt in Militärstiefeln, studiert, geht tanzen, baut euch 'ne Tüte und schaut Serien - einen hundertfach wertvolleren Beitrag zur Charakterbildung als der Wehrdienst ist jede dieser und vieler anderer Tätigkeiten allemal.
Und doch...
Das Glück des Individuums kann der Schaden der Gesellschaft sein. Das Argument, dass die allgemeine Wehrpflicht das Militär zivilisiere ist nicht neu und sollte immer in der Debatte bedacht werden. Zwar kann eine Wehrpflichtigenarmee im Inneren zum Katastrophenschutz eingesetzt werden, es ist jedoch zweifelhaft, dass sie ohne weiteres zu polizeilichen Aufgaben, wie z.B. der Aufstandsbekämpfung herangezogen werden könnte. Wie hoch die Hemmschwelle einer Berufsarmee wäre, direkt in demonstrierende Massen zu schießen, würde ich lieber nicht ausprobieren wollen. Auch neblig begründete Auslandseinsätze lassen sich gewiss leichter mit Berufssoldaten und Soldatinnen bewerkstelligen.
Selbst wenn es nur um die unmittelbare Landesverteidigung gehen sollte, ist eine Wehrpflicht die angemessene Antwort. Eine Gesellschaft, die sich so bedroht sieht, dass sie eines stehenden Heeres bedarf, soll diese Aufgabe nicht nur Waffennarren und den sonst perspektivlosen sozialen Unterschichten überlassen, sondern gefälligst mit jedem Kind das einberufen wird daran erinnert werden, dass sie sich einen Berufsstand leistet, dessen Aufgabe es ist, zu töten und getötet zu werden.
Eine von der Gesellschaft abgekoppelte Berufsarmee ist eine Gefahr. Die in ihr existierende Parallelwelt lebt nach lange tradierten Regeln, die der permanenten Konfrontation mit äußeren Einflüssen bedürfen, um sich nicht vollends zu verselbständigen. Die Jungen auf den Bahnhöfen sind bereits nach wenigen Wochen erkennbar. Was, wenn es sie nur noch als jahrelang zugerichtete autoritäre Charakter von Berufs wegen gibt? Jeder unwillige Wehrpflichtige, der missmutig seine Waffe putzt und widerwillig den Spind aufräumt, ist Teil einer zivilen Barriere gegen die Dominanz des, nunja, militärischen im Militär.
Der einzige Einwand gegen die Wehrpflicht der gilt, ist der gegen das Militär an sich gerichtete: Auch eine Wehrpflichtarmee ist eine Armee. Unter den Staaten mit Wehrpflicht befinden sich nicht gerade viele Modelldemokratien. Umgekehrt aber führen Berufsarmeen die meisten Kriege weltweit, und die nicht zwingend zum unmittelbaren Schutz der eigenen Grenzen. Die Folgerung kann nur sein, an der generellen Abschaffung der Armeen zu arbeiten. Die Abschaffung der Wehrpflicht ist nicht nur nicht hilfreich bei diesem Anliegen, sie fördert unmittelbar den weiteren Bestand des Militärs. Kosten werden verringert, innere Reibungswiderstände ebenso. Eine Gesellschaft, in der kein Zwangsdienst besteht, hat wenig Anlass, die absurde Tatsache zu thematisieren, dass sie Menschen zum Töten ausbildet - ein Gladiatorenstand ohne Publikum, aber mit jeder Menge Opfer.
Deshalb: Meine Sympathien und im Zweifelsfall direkte Unterstützung liegen bei jedem einzelnen Verweigerer. Aber solange nicht die Abschaffung des Militärs überhaupt zur Debatte steht, halte ich die Wehrpflicht als gesellschaftliche Einrichtung für unverzichtbar.
Disclaimer: 12-monatiger Wehrdienst 1994/95, Entlassung als Hauptgefreiter
tl;dr Eine Gesellschaft, die sich eine Armee leistet, soll diese gefälligst auch mit Kanonenfutter aus allen Schichten bestücken.
Ceterum censeo
Das wird ein beschißnes Jahr, gelle? Gruß Franz
Franz Fühmann an Christa Wolf, 21.1.1983 ...
Franz Fühmann an Christa Wolf, 21.1.1983 ...
Durch Feindesland – vier Erinnerungen an Lichtenhagen
Nachfolgend stehen die Zusammenfassungen von vier Gesprächsprotokollen, die die Grundlage für einen Beitrag auf taz.de waren. Die Befragten waren aus recht unterschiedlichen Zusammenhängen, organisiert und nicht organisiert, 1992 gegen den faschistischen Mob aktiv und haben freundlicherweise 20 Jahre danach ihre Erinnerungen an Lichtenhagen geteilt.
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Die Antira-Aktivistin
Cornelia Kerth war 1992 für das Antirassistische Telefon in Hamburg tätig. Die daran angeschlossene Struktur bestand aus verschiedensten Gruppen, die vor allem mit Flüchtlingen arbeiteten. Deren Unterstützung im Alltagsleben, im Umgang mit Behörden und die Dokumentation rassistischer Übergriffe gehörten zu den am häufigsten übernommenen Aufgaben.
Angesichts der Vielzahl von Anschlägen auf Asylbewerber und ihre Unterkünfte, entwickelte sich für die Hamburger in den frühen 1990er Jahren hier ein Arbeitsschwerpunkt, der sie auch öfter in die damals neuen Bundesländer führte.
Dass ein häufiges Problem die staatlich verordnete Weiterverteilung von Flüchtlingen in die östlichen Bundesländer war, berichtet Cornelia Kerth. Dort gab es, anders als in westdeutschen Ballungsgebieten praktisch keinerlei unterstützende Struktur, so dass Menschen, die dort in den Zentralen Aufnahmestellen (ZAST) landeten, völlig auf sich selbst gestellt waren.
So begleitete Kerth Anfang August 1992 einen Mann nach Rostock, um ihm bei der Meldung in der ZAST im Sonnenblumenhaus zur Seite zu stehen. Was sie dort sah veranlasste sie, den Mann ohne weitere Umstände wieder mit zurück nach Hamburg zu nehmen. Die bis heute bekannten Bilder, der auf der Wiese vor der ZAST kampierenden Asylbewerber machten nachhaltigen Eindruck auf sie.
„Es wird ja oft gesagt wie haltlos die Zustände für die Anwohner waren, aber es war doch in allererster Linie eine Zumutung für die Menschen, die dort – nunja, leben kann man ja kaum sagen – die dort unterkommen mussten.“, stellt Cornelia Kerth fest. Dass wenige Tage darauf das Fass explodierte überraschte sie kaum noch.
Am Samstag nach der Brandwoche, dem 29. August, riefen antifaschistische und zivilgesellschaftliche Gruppen aus ganz Deutschland zur Demonstration gegen das Pogrom in Rostock auf. Cornelia Kerth fuhr in einem Konvoi mit Hamburger Privatfahrzeugen nach Lichtenhagen.
Was sie dann bereits auf der Anfahrt in der westlich der Hansestadt gelegenen Kreisstadt Bad Doberan erlebten, habe in „auffälligem Gegensatz“ zu den Bildern gestanden, die man in den vorangegangen Tagen sehen konnte. Stundenlang auf einem Parkplatz festgehalten, waren die Hamburger Aktivisten umgeben von einer Unzahl an gut ausgerüsteten Einsatzkräften, Hubschrauber kreisten über dem Gelände.
Kerth erinnert sich, dass sie mit großer Verspätung schließlich in Rostock angekommen, dort eine gespenstische Atmosphäre wahrnahm. Zwischen den Ortsteilen Lütten-Klein und Groß Klein verlief die Demo durch Blocks mit geschlossenen Fenstern, praktisch ohne Schaulustige. „Wir hatten den Eindruck, wir würden uns durch Feindesland bewegen.“
Cornelia Kerth ist heute Bundesvorsitzende des VVN-BdA und wird am kommenden Samstag auf der Kundgebung in der Innenstadt sprechen und an der Demonstration in Lichtenhagen teilnehmen.
Der Autonome
Markus*, ursprünglich aus Westdeutschland kommend, lebte 1992 in Berlin und bezeichnet sich rückblickend als „dem autonomen Umfeld zugehörig“. Normal sei es damals gewesen, dass bei den nicht seltenen Naziüberfällen auf Wohnprojekte, WGs oder Einzelpersonen eine Telefonkette in Gang gesetzt wurde, woraufhin „wir uns dann halt zu fünft in Kreuzberg aufs Rad gesetzt haben und in den Prenzlauer Berg gefahren sind“.
So war es auch selbstverständlich gewesen, dass er und drei andere am Sonntag mit dem Auto nach Rostock fuhren, nachdem sie ein Notruf aus dem dortigen Jugendalternativzentrum, dem JAZ, erreichte. Die Situation in Lichtenhagen würde eskalieren, hieß es, Unterstützung wäre mehr als willkommen. Kontakte zur Rostocker PDS bestätigten die Berichte.
In Rostock angekommen, sind die Berliner direkt nach Lichtenhagen weitergefahren, in der Erwartung, dort auf weitere Unterstützer zu treffen, denen sie sich anschließen könnten, um das Haus zu schützen. Die Situation vor Ort jedoch war eine gänzlich andere. Bis direkt vor das Sonnenblumenhaus wurden sie von keinerlei Polizei behelligt. Es sei ja schließlich auch keine da gewesen.
Wer da war, war der Mob. Gegen die „Fidschis“ schimpften die Anwohner, während die eher jugendlichen Nazis an diesem Nachmittag die ersten Steine zurecht legten. Das Bild der Zeit war das von „Jogginghosenträgern“, wie sie den Berlinern schon in Hoyerswerda begegnet waren.
Markus erinnert sich zwar, dass es vereinzelt Sprechchöre gegen die Nazis gegeben habe, angesichts der Übermacht der anderen bewegte man sich aber eher unauffällig vor Ort und begab sich schließlich unverrichteter Dinge ins JAZ im Stadtzentrum. Die weitere Eskalation in den kommenden zwei Tagen erlebte die Gruppe nicht mehr in Rostock. Sie fuhren am Montag frustriert zurück nach Berlin.
Am Samstag darauf reiste Markus wieder nach Rostock, diesmal zur Großdemonstration. Wieder sei das Bild ein gänzlich anderes gewesen. Wo nur ein paar Tage zuvor keine Polizei zu sehen gewesen war, während der Mob sich gegen das Sonneblumenhaus austobte, war für diesen Tag Markus’ prägende Erinnerung eine endlos lange Kette Mannschaftswagen, die sich die Rostocker Stadtautobahn entlang zog.
Was sich aus seiner Sicht seit Hoyerswerda und Rostock verändert habe, fasst Markus eher resigniert zusammen: „Der Rassismus ist immer noch der gleiche, auch wenn er sich heute meistens anders äußert. Im Osten und im Westen.“
Markus, der als Zimmermann arbeitet und in einem selbstverwalteten Hausprojekt in Berlin lebt, ist noch unschlüssig, ob er am kommenden Samstag wieder nach Rostock fährt. „Aber, warum eigentlich nicht?“, sagt er zum Abschluss.
Der Hausbesetzer
Matthias, der 1992 zur noch jungen, aber hoch aktiven Ostberliner Hausbesetzerszene gehörte, war mit Freunden die gesamte Woche in Rostock. Ihn erreichte die Information, dass die Situation mehr als brenzlig werden würde sehr früh, ebenfalls aus dem Umfeld des JAZ.
Diese Meldungen nahmen die Berliner zuerst nicht so richtig ernst. Man sei damals schnell mit Gerüchten und Panikmache gewesen, erinnert sich Matthias. Erst als sich Freitag und Samstag die Eskalation aus mehreren Quellen bestätigte, machte man sich schließlich in einem Konvoi aus einem guten Dutzend Privatfahrzeugen und Motorrädern durch ein heftiges Unwetter auf den Weg nach Rostock.
Erster Anlaufpunkt dort war das JAZ. Was Matthias hauptsächlich im Gedächtnis blieb, ist der Eindruck von Angst, Überforderung und gefühlt stündlichen Plena. Das größte Problem sei der schleppende Informationsfluss gewesen. So gab es seiner Kenntnis nach keinen guten Kontakt zu den vietnamesischen Vertragsarbeitern im Sonnenblumenhaus.
Die Lage in Lichtenhagen wurde immer wieder vor Ort beobachtet. Die schon von Markus beschriebene völlige Übermacht der Nazis, ließ ein direktes Eingreifen aber nicht ratsam erscheinen. Welche Kreise die Ausschreitungen bis dahin gezogen hatten wurde auch klar, als die ersten westdeutschen Nazigrößen, wie Christian Worch in Lichtenhagen gesichtet wurden. Vordringlich schien der Gruppe also, im JAZ Solidarität zu zeigen und diesen zentralen Anlaufpunkt linker Jugendlicher durch massive Präsenz vor Überfällen zu schützen.
Auch Matthias beschreibt eindringlich den atmosphärischen Unterschied zwischen den Tagen des Pogroms und der Demonstration am folgenden Samstag. „Das war ja wie ein offenes Stadtviertel. Alle Leute auf der Straße, Volksfest, keine Polizei, und dann noch der Imbiss, der ja später abgefackelt wurde. Und dann am Samstag war alles wie ausgestorben und die Polizei hat mal gezeigt, was sie so gehabt hätte, wäre sie denn da gewesen in der Woche davor.“
Um die massiven Vorkontrollen zu umgehen, ließen sich die Berliner von einheimischen Antifas mit vielen anderen in Kleingruppen auf Schleichwegen durch den Rostocker Nordwesten zur Demonstration lotsen. Diese startete dann verspätet, weil man auf die in Bad Doberan festgehaltenen Busse und Autos aus Hamburg wartete.
„Ich weiß nicht, wie wir das alles gemacht haben damals, so ohne Internet und Handys.“, resümiert Matthias am Ende. Vor einigen Monaten ist er nach über 20 Jahren aus seinem Hausprojekt in eine eigene Wohnung gezogen. Am kommenden Wochenende fährt er nicht nach Rostock. Matthias ist Wirt und muss arbeiten.
Der Unpolitische
„Ja, ich hab tatsächlich im August 92 in Lichtenhagen plakatiert – Ich war plakatieren im Herz der Finsternis“, sagt Henning* lachend. Er war Auszubildender im letzten Lehrjahr und verbrachte den Sommer 1992 hauptsächlich mit Surfen.
Politisch organisiert war er nie und im JAZ war er nicht wirklich willkommen. Nicht links genug, „nicht linientreu“, wie er sich erinnert. Gewohnt hat er in Groß Klein, dem Plattenbauviertel gegenüber Lichtenhagen, auf der anderen Seite von Stadtautobahn und S-Bahn. Am Freitag sei er mal rübergegangen und habe sich das ganze angeschaut. Dann ist er an den Strand gefahren. „Eigentlich war mir das alles egal.“
Samstag oder Sonntag sprach ihn dann einer seiner Freunde an: „Das ist doch scheiße. Komm wir müssen was machen.“ Mehr aus freundschaftlicher Loyalität denn aus irgendeinem politischen Bewusstsein heraus ist Henning dann mit ins JAZ gegangen – fragen, wie man helfen könne.
„Da lagen die Plakate und bis dahin hatten sie noch niemanden, der in Groß Klein und Lichtenhagen plakatieren wollte. Da haben wir gesagt: Klar, machen wir.“ In einem alten Ford sind sie dann zu dritt losgefahren. Bei laufendem Motor gehalten, einer mit dem Plakat, der andere mit Pinsel und Leim rausgesprungen und geklebt. Mehr Abenteuerlust als alles andere war das für ihn, sagt Henning. Passiert ist den dreien nichts auf ihrer Tour.
In den Diskussionen dieser Tage und mit dem Blick auf die zunehmende Eskalation sei für ihn dann aber klarer geworden, dass es nicht nur Spaß, sondern eben wichtig sei, was gegen „diesen ganzen Blödsinn“ zu tun.
Die meisten seiner Freunde, mit denen Henning „noch zwei Jahre vorher Bier und Karos geteilt“ hatte, waren jetzt extrem rechts oder links. So oder so waren das nicht mehr seine Leute. Was sich vorher als eine eher homogene Jugendkultur dargestellt hatte, war nun komplett gespalten und stand sich feindselig gegenüber. In Rostock selber sei das noch viel schlimmer als im Umland gewesen, weshalb er schon vor Lichtenhagen eher in den umliegenden Dörfern ausgegangen ist.
Das Bild zur Demonstration am 29. August dann, fand Henning dann einfach nur ungerecht. „Es war schockierend, wie viel Polizei dort war, und wie wenig in den Tagen davor. Da war ja niemand von denen zu sehen, als ich am ersten Tag dort gewesen war “ Das hatte für ihn nichts mehr mit links und rechts zu tun. „Man muss doch nicht links sein um diesen Naziquatsch scheiße zu finden“
Seitdem ist Henning auf praktisch jeder Veranstaltung des zivilgesellschaftlich/antifaschistischen Bündnisses „Bunt statt Braun“ in Rostock gewesen. Nicht zuletzt, weil dort viele gute Bands auftreten, wie er wiederum lachend anfügt. „Das ist doch immer wieder eine gute Gelegenheit, die alle auf einem Haufen zu sehen.“
Am kommenden Sonntag wird Henning nicht zur Demo in Lichtenhagen sein, er zieht mit seiner Familie, dabei seine wenige Monate alten Tochter, in ein neues Haus – ganz in der Nähe.
*Namen geändert
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Die Antira-Aktivistin
Cornelia Kerth war 1992 für das Antirassistische Telefon in Hamburg tätig. Die daran angeschlossene Struktur bestand aus verschiedensten Gruppen, die vor allem mit Flüchtlingen arbeiteten. Deren Unterstützung im Alltagsleben, im Umgang mit Behörden und die Dokumentation rassistischer Übergriffe gehörten zu den am häufigsten übernommenen Aufgaben.
Angesichts der Vielzahl von Anschlägen auf Asylbewerber und ihre Unterkünfte, entwickelte sich für die Hamburger in den frühen 1990er Jahren hier ein Arbeitsschwerpunkt, der sie auch öfter in die damals neuen Bundesländer führte.
Dass ein häufiges Problem die staatlich verordnete Weiterverteilung von Flüchtlingen in die östlichen Bundesländer war, berichtet Cornelia Kerth. Dort gab es, anders als in westdeutschen Ballungsgebieten praktisch keinerlei unterstützende Struktur, so dass Menschen, die dort in den Zentralen Aufnahmestellen (ZAST) landeten, völlig auf sich selbst gestellt waren.
So begleitete Kerth Anfang August 1992 einen Mann nach Rostock, um ihm bei der Meldung in der ZAST im Sonnenblumenhaus zur Seite zu stehen. Was sie dort sah veranlasste sie, den Mann ohne weitere Umstände wieder mit zurück nach Hamburg zu nehmen. Die bis heute bekannten Bilder, der auf der Wiese vor der ZAST kampierenden Asylbewerber machten nachhaltigen Eindruck auf sie.
„Es wird ja oft gesagt wie haltlos die Zustände für die Anwohner waren, aber es war doch in allererster Linie eine Zumutung für die Menschen, die dort – nunja, leben kann man ja kaum sagen – die dort unterkommen mussten.“, stellt Cornelia Kerth fest. Dass wenige Tage darauf das Fass explodierte überraschte sie kaum noch.
Am Samstag nach der Brandwoche, dem 29. August, riefen antifaschistische und zivilgesellschaftliche Gruppen aus ganz Deutschland zur Demonstration gegen das Pogrom in Rostock auf. Cornelia Kerth fuhr in einem Konvoi mit Hamburger Privatfahrzeugen nach Lichtenhagen.
Was sie dann bereits auf der Anfahrt in der westlich der Hansestadt gelegenen Kreisstadt Bad Doberan erlebten, habe in „auffälligem Gegensatz“ zu den Bildern gestanden, die man in den vorangegangen Tagen sehen konnte. Stundenlang auf einem Parkplatz festgehalten, waren die Hamburger Aktivisten umgeben von einer Unzahl an gut ausgerüsteten Einsatzkräften, Hubschrauber kreisten über dem Gelände.
Kerth erinnert sich, dass sie mit großer Verspätung schließlich in Rostock angekommen, dort eine gespenstische Atmosphäre wahrnahm. Zwischen den Ortsteilen Lütten-Klein und Groß Klein verlief die Demo durch Blocks mit geschlossenen Fenstern, praktisch ohne Schaulustige. „Wir hatten den Eindruck, wir würden uns durch Feindesland bewegen.“
Cornelia Kerth ist heute Bundesvorsitzende des VVN-BdA und wird am kommenden Samstag auf der Kundgebung in der Innenstadt sprechen und an der Demonstration in Lichtenhagen teilnehmen.
Der Autonome
Markus*, ursprünglich aus Westdeutschland kommend, lebte 1992 in Berlin und bezeichnet sich rückblickend als „dem autonomen Umfeld zugehörig“. Normal sei es damals gewesen, dass bei den nicht seltenen Naziüberfällen auf Wohnprojekte, WGs oder Einzelpersonen eine Telefonkette in Gang gesetzt wurde, woraufhin „wir uns dann halt zu fünft in Kreuzberg aufs Rad gesetzt haben und in den Prenzlauer Berg gefahren sind“.
So war es auch selbstverständlich gewesen, dass er und drei andere am Sonntag mit dem Auto nach Rostock fuhren, nachdem sie ein Notruf aus dem dortigen Jugendalternativzentrum, dem JAZ, erreichte. Die Situation in Lichtenhagen würde eskalieren, hieß es, Unterstützung wäre mehr als willkommen. Kontakte zur Rostocker PDS bestätigten die Berichte.
In Rostock angekommen, sind die Berliner direkt nach Lichtenhagen weitergefahren, in der Erwartung, dort auf weitere Unterstützer zu treffen, denen sie sich anschließen könnten, um das Haus zu schützen. Die Situation vor Ort jedoch war eine gänzlich andere. Bis direkt vor das Sonnenblumenhaus wurden sie von keinerlei Polizei behelligt. Es sei ja schließlich auch keine da gewesen.
Wer da war, war der Mob. Gegen die „Fidschis“ schimpften die Anwohner, während die eher jugendlichen Nazis an diesem Nachmittag die ersten Steine zurecht legten. Das Bild der Zeit war das von „Jogginghosenträgern“, wie sie den Berlinern schon in Hoyerswerda begegnet waren.
Markus erinnert sich zwar, dass es vereinzelt Sprechchöre gegen die Nazis gegeben habe, angesichts der Übermacht der anderen bewegte man sich aber eher unauffällig vor Ort und begab sich schließlich unverrichteter Dinge ins JAZ im Stadtzentrum. Die weitere Eskalation in den kommenden zwei Tagen erlebte die Gruppe nicht mehr in Rostock. Sie fuhren am Montag frustriert zurück nach Berlin.
Am Samstag darauf reiste Markus wieder nach Rostock, diesmal zur Großdemonstration. Wieder sei das Bild ein gänzlich anderes gewesen. Wo nur ein paar Tage zuvor keine Polizei zu sehen gewesen war, während der Mob sich gegen das Sonneblumenhaus austobte, war für diesen Tag Markus’ prägende Erinnerung eine endlos lange Kette Mannschaftswagen, die sich die Rostocker Stadtautobahn entlang zog.
Was sich aus seiner Sicht seit Hoyerswerda und Rostock verändert habe, fasst Markus eher resigniert zusammen: „Der Rassismus ist immer noch der gleiche, auch wenn er sich heute meistens anders äußert. Im Osten und im Westen.“
Markus, der als Zimmermann arbeitet und in einem selbstverwalteten Hausprojekt in Berlin lebt, ist noch unschlüssig, ob er am kommenden Samstag wieder nach Rostock fährt. „Aber, warum eigentlich nicht?“, sagt er zum Abschluss.
Der Hausbesetzer
Matthias, der 1992 zur noch jungen, aber hoch aktiven Ostberliner Hausbesetzerszene gehörte, war mit Freunden die gesamte Woche in Rostock. Ihn erreichte die Information, dass die Situation mehr als brenzlig werden würde sehr früh, ebenfalls aus dem Umfeld des JAZ.
Diese Meldungen nahmen die Berliner zuerst nicht so richtig ernst. Man sei damals schnell mit Gerüchten und Panikmache gewesen, erinnert sich Matthias. Erst als sich Freitag und Samstag die Eskalation aus mehreren Quellen bestätigte, machte man sich schließlich in einem Konvoi aus einem guten Dutzend Privatfahrzeugen und Motorrädern durch ein heftiges Unwetter auf den Weg nach Rostock.
Erster Anlaufpunkt dort war das JAZ. Was Matthias hauptsächlich im Gedächtnis blieb, ist der Eindruck von Angst, Überforderung und gefühlt stündlichen Plena. Das größte Problem sei der schleppende Informationsfluss gewesen. So gab es seiner Kenntnis nach keinen guten Kontakt zu den vietnamesischen Vertragsarbeitern im Sonnenblumenhaus.
Die Lage in Lichtenhagen wurde immer wieder vor Ort beobachtet. Die schon von Markus beschriebene völlige Übermacht der Nazis, ließ ein direktes Eingreifen aber nicht ratsam erscheinen. Welche Kreise die Ausschreitungen bis dahin gezogen hatten wurde auch klar, als die ersten westdeutschen Nazigrößen, wie Christian Worch in Lichtenhagen gesichtet wurden. Vordringlich schien der Gruppe also, im JAZ Solidarität zu zeigen und diesen zentralen Anlaufpunkt linker Jugendlicher durch massive Präsenz vor Überfällen zu schützen.
Auch Matthias beschreibt eindringlich den atmosphärischen Unterschied zwischen den Tagen des Pogroms und der Demonstration am folgenden Samstag. „Das war ja wie ein offenes Stadtviertel. Alle Leute auf der Straße, Volksfest, keine Polizei, und dann noch der Imbiss, der ja später abgefackelt wurde. Und dann am Samstag war alles wie ausgestorben und die Polizei hat mal gezeigt, was sie so gehabt hätte, wäre sie denn da gewesen in der Woche davor.“
Um die massiven Vorkontrollen zu umgehen, ließen sich die Berliner von einheimischen Antifas mit vielen anderen in Kleingruppen auf Schleichwegen durch den Rostocker Nordwesten zur Demonstration lotsen. Diese startete dann verspätet, weil man auf die in Bad Doberan festgehaltenen Busse und Autos aus Hamburg wartete.
„Ich weiß nicht, wie wir das alles gemacht haben damals, so ohne Internet und Handys.“, resümiert Matthias am Ende. Vor einigen Monaten ist er nach über 20 Jahren aus seinem Hausprojekt in eine eigene Wohnung gezogen. Am kommenden Wochenende fährt er nicht nach Rostock. Matthias ist Wirt und muss arbeiten.
Der Unpolitische
„Ja, ich hab tatsächlich im August 92 in Lichtenhagen plakatiert – Ich war plakatieren im Herz der Finsternis“, sagt Henning* lachend. Er war Auszubildender im letzten Lehrjahr und verbrachte den Sommer 1992 hauptsächlich mit Surfen.
Politisch organisiert war er nie und im JAZ war er nicht wirklich willkommen. Nicht links genug, „nicht linientreu“, wie er sich erinnert. Gewohnt hat er in Groß Klein, dem Plattenbauviertel gegenüber Lichtenhagen, auf der anderen Seite von Stadtautobahn und S-Bahn. Am Freitag sei er mal rübergegangen und habe sich das ganze angeschaut. Dann ist er an den Strand gefahren. „Eigentlich war mir das alles egal.“
Samstag oder Sonntag sprach ihn dann einer seiner Freunde an: „Das ist doch scheiße. Komm wir müssen was machen.“ Mehr aus freundschaftlicher Loyalität denn aus irgendeinem politischen Bewusstsein heraus ist Henning dann mit ins JAZ gegangen – fragen, wie man helfen könne.
„Da lagen die Plakate und bis dahin hatten sie noch niemanden, der in Groß Klein und Lichtenhagen plakatieren wollte. Da haben wir gesagt: Klar, machen wir.“ In einem alten Ford sind sie dann zu dritt losgefahren. Bei laufendem Motor gehalten, einer mit dem Plakat, der andere mit Pinsel und Leim rausgesprungen und geklebt. Mehr Abenteuerlust als alles andere war das für ihn, sagt Henning. Passiert ist den dreien nichts auf ihrer Tour.
In den Diskussionen dieser Tage und mit dem Blick auf die zunehmende Eskalation sei für ihn dann aber klarer geworden, dass es nicht nur Spaß, sondern eben wichtig sei, was gegen „diesen ganzen Blödsinn“ zu tun.
Die meisten seiner Freunde, mit denen Henning „noch zwei Jahre vorher Bier und Karos geteilt“ hatte, waren jetzt extrem rechts oder links. So oder so waren das nicht mehr seine Leute. Was sich vorher als eine eher homogene Jugendkultur dargestellt hatte, war nun komplett gespalten und stand sich feindselig gegenüber. In Rostock selber sei das noch viel schlimmer als im Umland gewesen, weshalb er schon vor Lichtenhagen eher in den umliegenden Dörfern ausgegangen ist.
Das Bild zur Demonstration am 29. August dann, fand Henning dann einfach nur ungerecht. „Es war schockierend, wie viel Polizei dort war, und wie wenig in den Tagen davor. Da war ja niemand von denen zu sehen, als ich am ersten Tag dort gewesen war “ Das hatte für ihn nichts mehr mit links und rechts zu tun. „Man muss doch nicht links sein um diesen Naziquatsch scheiße zu finden“
Seitdem ist Henning auf praktisch jeder Veranstaltung des zivilgesellschaftlich/antifaschistischen Bündnisses „Bunt statt Braun“ in Rostock gewesen. Nicht zuletzt, weil dort viele gute Bands auftreten, wie er wiederum lachend anfügt. „Das ist doch immer wieder eine gute Gelegenheit, die alle auf einem Haufen zu sehen.“
Am kommenden Sonntag wird Henning nicht zur Demo in Lichtenhagen sein, er zieht mit seiner Familie, dabei seine wenige Monate alten Tochter, in ein neues Haus – ganz in der Nähe.
*Namen geändert
Weil hier ja immerzu nix passiert, mal ein Video.
Wie sich die Familienministerin den Kampf gegen den “Extremismus von Links und Rechts” konkret so vorstellt, wird in einem offenen Brief der Antifaschistischen Union Dortmund dargestellt und kritisiert.
Erinnert mich doch sehr an die völlig fehlgeleitete Idee der akzeptierenden Sozialarbeit mit jungen Faschisten, wie sie vor knapp 20 Jahren zu erleben war und die nicht unwesentlichen Anteil daran hatte, dass ein Haufen Jugendeinrichtungen zu No-go-Areas für Nicht-Nazis wurden.
“Aber man muß doch mit denen auch reden...” Ja, dem stimme ich zu, wozu hat man schließlich Ermittlungsbehörden und Justiz. Wenn die dann mal mit der ergebnislosen Auswertung von Millionen Handydaten fertig sind und vielleicht zwei-drei Leute von der Bespitzelung der Linken abziehen würden...
“Dortmund den Dortmundern” ist auch ein toller Titel für ein Ringelpiez mit Nazis.
[via: @goncourt]
Erinnert mich doch sehr an die völlig fehlgeleitete Idee der akzeptierenden Sozialarbeit mit jungen Faschisten, wie sie vor knapp 20 Jahren zu erleben war und die nicht unwesentlichen Anteil daran hatte, dass ein Haufen Jugendeinrichtungen zu No-go-Areas für Nicht-Nazis wurden.
“Aber man muß doch mit denen auch reden...” Ja, dem stimme ich zu, wozu hat man schließlich Ermittlungsbehörden und Justiz. Wenn die dann mal mit der ergebnislosen Auswertung von Millionen Handydaten fertig sind und vielleicht zwei-drei Leute von der Bespitzelung der Linken abziehen würden...
“Dortmund den Dortmundern” ist auch ein toller Titel für ein Ringelpiez mit Nazis.
[via: @goncourt]
Und noch einmal darf ich auf einen Beitrag zum... schnarch.
Nee, es geht um eine empirische Studie mit Ergebnissen, die ich recht interessant finde, zum Downloadverhalten und von der Einstellung zu Überwachungsmechanismen und Strafandrohungen für vorgeblich illegales Downloaden.
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36265/1.html
Nee, es geht um eine empirische Studie mit Ergebnissen, die ich recht interessant finde, zum Downloadverhalten und von der Einstellung zu Überwachungsmechanismen und Strafandrohungen für vorgeblich illegales Downloaden.
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36265/1.html
Wieder einmal gestatte ich mir, auf einen Beitrag zum Urheberrechtskomplex hinzuweisen.
Dieses Mal ist es ein Kommentar zur Verhaftung Kim Schmitz'/Dotcoms, der Schließung des Mega-Imperiums und der DDoS-Attacken von Anonymous auf die amerikanische Justiz.
http://taz.de/!86008/
Dieses Mal ist es ein Kommentar zur Verhaftung Kim Schmitz'/Dotcoms, der Schließung des Mega-Imperiums und der DDoS-Attacken von Anonymous auf die amerikanische Justiz.
http://taz.de/!86008/
Beim Netzpolitischen Abend der Digitalen Gesellschaft gewesen.
Das war interessant. Nicht so viel Neues gehört, in der Zusammenstellung war das aber sehr anregend.
Meine Notizen:
Dass die Frage der Netzneutralität und Probleme bei Neuerungen der Schnittstelle zwischen Hardware und Betriebssystem (bislang BIOS, Stichwort Secure Boot) so prominent präsentiert wurden, hat mich wieder an den so überaus unterhaltsamen Vortrag von Cory Doctorow auf dem 28c3 erinnert.
Es erscheint durchaus plausibel, dass die Aufspaltung dessen, was wir heute als Internet kennen, in mehrere verschiedene Dienste und die Ausdifferenzierung der Hardware in Geräte, die jeweils nur eine eingeschränkte Funktionalität haben, einer der Hauptschauplätze der Debatte um die Zukunft der Datenflüsse und -verarbeitung werden.
Das Problem für die eher bürgerrechtlich und lobbyistisch orientierten NetzpolitikerInnen dürfte wohl sein, dass sie vom schwächeren Ende her argumentieren. Das kommerzielle Interesse an einer möglichst großen Diversifizierung und Kontrolle der Hard- und Software ist offensichtlich und hat viel Überzeugungskraft gegenüber der Legislative in der Hand (nicht zuletzt jede Menge Geld). Letztere hat aber selbst ein Interesse an einer eingeschränkten Funktionalität und nicht zuletzt der Abschaffung des umfassend operierenden Endgerätes.
Während die Bürgerrechtsseite gegenüber europäischen PoltikerInnen gerne auf die positive Auswirkung sozialer Netzwerke im speziellen und Technologie im Allgemeinen z.B. während des sogenannten arabischen Frühlings hinweist, übersieht sie, dass sie gegenüber der politischen Elite vielleicht nicht das beste Argument gebraucht, wenn sie darauf besteht, dass mithilfe des Internet Regime gestürzt werden.
Das ändert natürlich nichts an der Validität des Arguments, unterschätzt aber m.E. den Stand der Verrottung der westlichen Demokratie. Die besseren Argumente sind nicht die, die dem Ideal der westlichen Demokratie näher sind, sondern die, die ihrem Wesen mehr entsprechen. Kurz zusammengefasst: Machterhalt der politischen Eliten zum Zwecke des Schutzes des Profitinteresses der ökonomischen Elite.
Soll heißen: Die Digitale Gesellschaft müsste ihr Lobbying mit dem glaubwürdigen Versprechen flankieren, dass die von ihr überzeugten ParlamentarierInnen und anderen Offiziellen nicht von der geballten Macht der ökonomischen Elite aus den Ämtern gefegt werden können.
Das scheint mir, vorsichtig prognostiziert, ein schwieriges Unterfangen zu sein.
Inwieweit die ProtagonistInnen dieser Bürgerrechtsbewegung eines Tages in den bestehenden Institutionen aufgehen werden (der Vergleich zu den Grünen drängt sich bei allen Unterschieden auf) und zumindest Teile ihrer Agenda politisch durchsetzen können, hängt nicht zuletzt davon ab, ob ihre Themen außerhalb der Netzaktiven als hinreichend relevant angesehen werden und sie somit als politische Player über einen Achtungserfolg bei einer Abgeordnetenhauswahl hinauskommen.
Dass sie für die Umsetzung ihres Gesamtkonzepts freier Software und Hardware einfach nicht die nötige Kraft haben werden, behaupte ich einfach (bedauernd) und werde diese Vermutung regelmäßig darauf überprüfen, ob sie sich bewahrheitet.
Was mich jetzt grade wirklich brennend interessiert ist, welche Strukturen sich herausbilden, die mit den (meiner Meinung nach) zu erwartenden Einschränkungen kreativ umgehen werden.
Wer wird das nötige Spezialwissen haben, Sperren zu umgehen? Wie wird dieses Wissen weitergegeben? Dort wird der eigentliche politische Kampf stattfinden - da, wo die unweigerlich ausgesprochenen Verbote qualifiziert gebrochen werden. Dazu wird es nicht genügen, wenige Geeks allein an Rechner zu setzen. Die müssen Basisarbeit machen, andere weiterbilden und nicht ihre Zeit in Brüssel vergeuden.*
Die Frage wird nicht sein, ob der Widerspruch gehört wird, sondern ob das Verbot wirklich wirksam ist.
Ein Wort noch zur Veranstaltung: Die Vorträge waren inhaltlich relativ niedrigschwellig zugänglich, also durchaus zum Erwerb von Überblickswissen geeignet. Tolle Sache, sollte es öfter geben.
*Nur so Gedanken, kein Urteil darüber, wie einzelne ihre Zeit verbringen. Das weiß ich ohnehin nicht.
Links zur Sache:
digitalegesellschaft.de - Veranstalter des Abends, mit Aufklärungs- und Lobbyingkampagne
www.fsf.org/campaigns - Kampagnen zu freier Software und Hardware, mit informativen Erläuterungen
www.youtube.com/watch?v=HUEvRyemKSg - Cory Doctorows Vortrag (ca. 30 Minuten, danach Fragen)
Das war interessant. Nicht so viel Neues gehört, in der Zusammenstellung war das aber sehr anregend.
Meine Notizen:
Dass die Frage der Netzneutralität und Probleme bei Neuerungen der Schnittstelle zwischen Hardware und Betriebssystem (bislang BIOS, Stichwort Secure Boot) so prominent präsentiert wurden, hat mich wieder an den so überaus unterhaltsamen Vortrag von Cory Doctorow auf dem 28c3 erinnert.
Es erscheint durchaus plausibel, dass die Aufspaltung dessen, was wir heute als Internet kennen, in mehrere verschiedene Dienste und die Ausdifferenzierung der Hardware in Geräte, die jeweils nur eine eingeschränkte Funktionalität haben, einer der Hauptschauplätze der Debatte um die Zukunft der Datenflüsse und -verarbeitung werden.
Das Problem für die eher bürgerrechtlich und lobbyistisch orientierten NetzpolitikerInnen dürfte wohl sein, dass sie vom schwächeren Ende her argumentieren. Das kommerzielle Interesse an einer möglichst großen Diversifizierung und Kontrolle der Hard- und Software ist offensichtlich und hat viel Überzeugungskraft gegenüber der Legislative in der Hand (nicht zuletzt jede Menge Geld). Letztere hat aber selbst ein Interesse an einer eingeschränkten Funktionalität und nicht zuletzt der Abschaffung des umfassend operierenden Endgerätes.
Während die Bürgerrechtsseite gegenüber europäischen PoltikerInnen gerne auf die positive Auswirkung sozialer Netzwerke im speziellen und Technologie im Allgemeinen z.B. während des sogenannten arabischen Frühlings hinweist, übersieht sie, dass sie gegenüber der politischen Elite vielleicht nicht das beste Argument gebraucht, wenn sie darauf besteht, dass mithilfe des Internet Regime gestürzt werden.
Das ändert natürlich nichts an der Validität des Arguments, unterschätzt aber m.E. den Stand der Verrottung der westlichen Demokratie. Die besseren Argumente sind nicht die, die dem Ideal der westlichen Demokratie näher sind, sondern die, die ihrem Wesen mehr entsprechen. Kurz zusammengefasst: Machterhalt der politischen Eliten zum Zwecke des Schutzes des Profitinteresses der ökonomischen Elite.
Soll heißen: Die Digitale Gesellschaft müsste ihr Lobbying mit dem glaubwürdigen Versprechen flankieren, dass die von ihr überzeugten ParlamentarierInnen und anderen Offiziellen nicht von der geballten Macht der ökonomischen Elite aus den Ämtern gefegt werden können.
Das scheint mir, vorsichtig prognostiziert, ein schwieriges Unterfangen zu sein.
Inwieweit die ProtagonistInnen dieser Bürgerrechtsbewegung eines Tages in den bestehenden Institutionen aufgehen werden (der Vergleich zu den Grünen drängt sich bei allen Unterschieden auf) und zumindest Teile ihrer Agenda politisch durchsetzen können, hängt nicht zuletzt davon ab, ob ihre Themen außerhalb der Netzaktiven als hinreichend relevant angesehen werden und sie somit als politische Player über einen Achtungserfolg bei einer Abgeordnetenhauswahl hinauskommen.
Dass sie für die Umsetzung ihres Gesamtkonzepts freier Software und Hardware einfach nicht die nötige Kraft haben werden, behaupte ich einfach (bedauernd) und werde diese Vermutung regelmäßig darauf überprüfen, ob sie sich bewahrheitet.
Was mich jetzt grade wirklich brennend interessiert ist, welche Strukturen sich herausbilden, die mit den (meiner Meinung nach) zu erwartenden Einschränkungen kreativ umgehen werden.
Wer wird das nötige Spezialwissen haben, Sperren zu umgehen? Wie wird dieses Wissen weitergegeben? Dort wird der eigentliche politische Kampf stattfinden - da, wo die unweigerlich ausgesprochenen Verbote qualifiziert gebrochen werden. Dazu wird es nicht genügen, wenige Geeks allein an Rechner zu setzen. Die müssen Basisarbeit machen, andere weiterbilden und nicht ihre Zeit in Brüssel vergeuden.*
Die Frage wird nicht sein, ob der Widerspruch gehört wird, sondern ob das Verbot wirklich wirksam ist.
Ein Wort noch zur Veranstaltung: Die Vorträge waren inhaltlich relativ niedrigschwellig zugänglich, also durchaus zum Erwerb von Überblickswissen geeignet. Tolle Sache, sollte es öfter geben.
*Nur so Gedanken, kein Urteil darüber, wie einzelne ihre Zeit verbringen. Das weiß ich ohnehin nicht.
Links zur Sache:
digitalegesellschaft.de - Veranstalter des Abends, mit Aufklärungs- und Lobbyingkampagne
www.fsf.org/campaigns - Kampagnen zu freier Software und Hardware, mit informativen Erläuterungen
www.youtube.com/watch?v=HUEvRyemKSg - Cory Doctorows Vortrag (ca. 30 Minuten, danach Fragen)
Ist für andere vielleicht nicht so aufregend, aber manchmal haut's mich immer noch um, wenn ich mir überlege, dass so ein kronkorkengroßes Teil die 400-fache Speicherkapazität meines ersten Rechners hat.
Ceterum censeo
Das wird ein beschißnes Jahr, gelle? Gruß Franz
Franz Fühmann an Christa Wolf, 21.1.1983 ...
Franz Fühmann an Christa Wolf, 21.1.1983 ...
Online seit 2921 Tagen. 8 Jahre. Erst bei Twoday, seit 2005 hier.
Das fühlt sich lange an.
Vor ein paar Tagen wurden mir Fotos aus jener Zeit gezeigt, da war dieser fröhliche junge Mensch drauf. Geschmacklos gekleidet war der. Hatte nicht gar so tiefe Geheimratsecken. Den Hinterkopf sieht man nicht, die Platte war wohl schon erahnbar (so hört man). Es wundert mich nicht, dass Leute mich nicht wiedererkennen, ginge mir genauso.
Das fühlt sich lange an.
Vor ein paar Tagen wurden mir Fotos aus jener Zeit gezeigt, da war dieser fröhliche junge Mensch drauf. Geschmacklos gekleidet war der. Hatte nicht gar so tiefe Geheimratsecken. Den Hinterkopf sieht man nicht, die Platte war wohl schon erahnbar (so hört man). Es wundert mich nicht, dass Leute mich nicht wiedererkennen, ginge mir genauso.
Schöne Satire, very british.
ePetition to the HM Gouvernment, concerning the Funeral of Lady Thatcher.
http://epetitions.direct.gov.uk/petitions/18914
[edit: via @guenterhack]
ePetition to the HM Gouvernment, concerning the Funeral of Lady Thatcher.
http://epetitions.direct.gov.uk/petitions/18914
[edit: via @guenterhack]
Das erste Mal in meiner langjährigen “Karriere” schreibt an einem Text von mir ein Anwalt mit. Beschämt gebe ich zu, daraus persönliche Befriedigung zu ziehen. Da hat jemand ziemlich dicke Eier und will nicht, dass es ihm hinterher gerufen wird. Aber die Wahrheit muss ans Licht.* Suche jetzt nicht justiziable Synonyme für geschwollene Gonaden, was nicht ganz leicht ist.
Bin bislang nie verklagt worden, nicht einmal angedroht wurde mir juristisches Vorgehen wegen der Arbeit.** Jetzt komme ich mir halt voll wichtig vor. Ein Impuls der sicherlich verpufft, wenn der Anwalt tatsächlich anfängt die Sätze zu streichen, aufzuweichen und umzustellen.
Und weil hier ja niemand wissen kann, um wen es geht: “Hochstapler! Abzocker! Betrüger!”***
*Wäre übrigens kein Weltuntergang, wenn nicht. Alle wissen es, der Spaß besteht darin es auch hin und wieder laut zu sagen.
**Um genau zu sein, ist das auch dieses Mal nicht der Fall. Die Klagedrohung ist recht pauschal ausgesprochen worden, und zwar bevor ich das Thema übernommen habe.
***Nein, nicht der Bundespräsident.
Bin bislang nie verklagt worden, nicht einmal angedroht wurde mir juristisches Vorgehen wegen der Arbeit.** Jetzt komme ich mir halt voll wichtig vor. Ein Impuls der sicherlich verpufft, wenn der Anwalt tatsächlich anfängt die Sätze zu streichen, aufzuweichen und umzustellen.
Und weil hier ja niemand wissen kann, um wen es geht: “Hochstapler! Abzocker! Betrüger!”***
*Wäre übrigens kein Weltuntergang, wenn nicht. Alle wissen es, der Spaß besteht darin es auch hin und wieder laut zu sagen.
**Um genau zu sein, ist das auch dieses Mal nicht der Fall. Die Klagedrohung ist recht pauschal ausgesprochen worden, und zwar bevor ich das Thema übernommen habe.
***Nein, nicht der Bundespräsident.

